Navigation mit Access Keys

WSL-JuniorNewsOhne die kleinen Tiere geht es der Wiese nicht gut

Ohne die kleinen Tiere geht es der Wiese nicht gut

Hauptinhalt

  

In einem Ökosystem, zum Beispiel einer Wiese, braucht es alle Lebewesen. Forschende der WSL haben mit einem Experiment im Schweizerischen Nationalpark herausgefunden, dass die kleinsten Tiere eine sehr grosse Rolle spielen. Fehlen in einer Wiese die Insekten und Schnecken, geht es der Wiese nicht mehr gut.

 

Auf den Wiesen im Schweizerischen Nationalpark wachsen viele verschiedene Pflanzen – und es gibt viele grosse und kleine Wildtiere, die diese Pflanzen fressen, zum Beispiel Hirsche, Hasen, Schnecken und Heuschrecken. Doch braucht es alle diese Tiere? Ändert sich etwas, wenn einige dieser Tiere verschwinden? Und was passiert, wenn alle Tiere weg sind und die Pflanzen gar nicht mehr gefressen werden?

Die beiden Forschenden Anita Risch und Martin Schütz von der WSL sind diesen Fragen in einem Experiment nachgegangen.

 

Dazu haben sie auf den Wiesen im Nationalpark verschieden grosse Zäune aufgestellt, die sie ineinander stellten. Die Zäune hinderten die Tiere daran, die Pflanzen auf den Wiesen zu fressen.

Mit dem äussersten Zaun wurden die grossen Wirbeltiere wie die Hirsche ferngehalten. Der kleinere Zaun mit einem Drahtnetz hielt die Hasen, Murmeltiere und Mäuse fern. Zuletzt schloss ein Zaun mit einem feinmaschigen Netz auch alle wirbellosen Tiere vom Wiesenstück aus, also alle Insekten und Schnecken.

 

Die Zäune standen fünf Jahre lang im Nationalpark, jeweils von Mai bis September. Während dieser Zeit untersuchten die Forschenden die Wiesen immer wieder.

Sie schrieben auf, welche Pflanzen innerhalb der verschiedenen Zäune wuchsen, wie viele Pflanzen es von jeder Art gab, ob sich die Bodentemperatur veränderte, wie viele Nährstoffe im Boden vorhanden waren oder welche Tiere vorkamen.

Mit all diesen Daten können die Forschenden zeigen, ob es der Wiese gut oder schlecht geht.

 

Es braucht alle im System

Fehlten die grossen Säugetiere, veränderte sich die Wiese. Pflanzen, die schnell wachsen, verdrängten Pflanzen, die langsam wachsen, weil sie ihnen das Licht wegnehmen. Die Pflanzenvielfalt in der Wiese nahm ab.

Gleichzeitig wurde die Wiese dichter durch die schnellwachsenden Pflanzen. Dadurch fiel weniger Sonne auf den Boden, die Bodentemperatur nahm ab. Mit der dichteren Vegetation verschwanden Käferarten, die andere Insekten jagen, weil sie ihre Beute schlechter sehen konnten.

 
 

Wenn alle Tiere fehlten, auch die kleinen Insekten und Schnecken, nahmen die Beziehungen zwischen Pflanzen, Tieren und ihrer Umwelt sehr stark ab. Die Wiese war nicht mehr gesund. Das hat die Forschenden überrascht: «Wir nahmen an, dass vor allem die grossen Tiere eine grosse Wirkung im System haben. Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass vor allem die kleinen wirbellosen Tiere dafür sorgen, dass das System gut funktioniert», sagt Anita Risch.

 

Insekten und Schnecken müssen besser geschützt werden

Mit ihrem Experiment konnten die Forschenden zum ersten Mal ausserhalb eines Labors zeigen, wie wichtig die kleinen Tiere sind, damit das System Wiese funktioniert. Doch die Anzahl der wirbellosen Tiere scheint in der Schweiz und auch in Mitteleuropa abzunehmen. Genaue Zahlen zu dieser Abnahme gibt es noch nicht.

«Uns beunruhigt, dass die wirbellosen Tiere scheinbar auch in Naturschutzgebieten fehlen», sagt Martin Schütz. Die beiden Forschenden sind sich einig: «Wir müssen uns mehr anstrengen, Insekten und Schnecken zu schützen. Sie sind von sehr grosser Bedeutung, damit die Ökosysteme funktionieren», sagen sie beide.

 

Diese wirbellosen Tiere kommen im Schweizerischen Nationalpark vor und helfen mit, dass es der Wiese gut geht: die Gewöhnliche Gebirgsschrecke (Podisma pedestris) (links) und die Raupen des Alpen-Ringelspinners (Malacosoma alpicola). (Bilder: Thomas Reich, WSL)