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WSL-JuniorWaldSo funktionieren BäumeWas ist das Internet des Waldes?

Was ist das Internet des Waldes?

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Auch im Wald gibt es ein soziales Netzwerk: Waldbäume tauschen über Pilze im Boden Nährstoffe und Informationen aus. WSL-Forscherinnen und Forscher versuchen, die Chats in diesem «Wood Wide Web» zu entschlüsseln.

 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Im Boden gibt es ein riesiges «Wood Wide Web» aus Pilzfäden und Baumwurzeln über das Bäume Informationen austauschen können.
  • Die Pilze vergrössern die Fläche, aus der Bäume Wasser und Nährstoffe aufnehmen können. Die Bäume geben den Pilzen dafür Zucker als Nahrung ab. So eine Zusammenarbeit nennt man eine Symbiose.
  • Bei Pilzen und Bäumen heisst die Symbiose Mykorrhiza.
 

Um das «Internet des Waldes» im Boden zu entdecken, braucht es eine super Spürnase. Eine, die besser ist als Menschennasen. Dem pensionierten WSL-Forscher Simon Egli hilft dabei sein Hund «Miro». Auf das Kommando «Such!» stürmt der Rüde an eine Stelle und buddelt, dass die Erdklumpen fliegen. «Stopp!» ruft Simon Egli und lacht. «Sonst frisst er seinen Fund gleich selbst.»

Der Biologe gräbt einen walnussgrossen, schwarzen Klumpen aus, der nach frischem Gras duftet. Das ist eine unterirdische Pilzknolle, ein Burgundertrüffel, für den Feinschmecker etwa 300 Franken pro Kilogramm bezahlen.

 

Gigantisches Pilznetzwerk unter der Erde

Simon Egli sucht Trüffel aber nicht nur zum Essen, sondern für die Wissenschaft: Die Trüffelknollen sind ebenso wie Steinpilze oder Eierschwämme nur die Früchte eines gigantischen Pilznetzwerks. In einem Quadratmeter Boden (also 1x1 Meter) können bis zu 2000 Kilometer Pilzfäden sein – das ist etwa die Strecke von der Schweiz bis Stockholm in Schweden.

 

Unter der Erde verzweigen sich die Pilzfäden, sie wachsen um und sogar in die Baumwurzeln hinein. Sie helfen den Bäumen dabei, Wasser und Nährstoffe aufzunehmen. Der Baum gibt den Pilzen dafür Zucker ab, den er durch Fotosynthese in den Blättern herstellt. So ein für beide Seiten vorteilhaftes Zusammenleben nennt man eine Symbiose. Bei Pilzen und Bäumen heisst sie Mykorrhiza-Symbiose (aus den altgriechischen Wörtern «mykes» für Pilz und «rhiza» für Wurzel).

 

Zucker für Nachbarn

Vor etwa 40 Jahren haben Wissenschaftlerinnen mit einer damals neuen Methode geschaut, wo der Zucker aus den Blättern der Bäume hingeht. Sie staunten nicht schlecht, als sie ihn nicht nur in Pilzen, sondern auch in anderen Bäumen wiederfanden. Das konnte nur über das Pilznetzwerk geschehen sein.

Heute weiss man, dass Bäume je nach Situation ein Drittel ihres ganzen Zuckers an die Pilze weitergeben. Ganz wenig davon findet man sogar in Nachbarbäumen. (Eine Studie aus Amerika zeigte sogar, dass von einem Baum mehr Zucker zu seinen eigenen Nachkommen fliesst als zu anderen kleinen Bäumchen in der Nachbarschaft. Auf diese Weise kann er also sogar seine Kinder «füttern».)

 

Mehr als Kabel

Die Pilze sind aber nicht nur «Kabel» im Netzwerk, sondern selbst aktiv: Sie «überreden» die Bäume regelrecht dazu, ihnen Zucker abzugeben. Das hat die WSL-Biologin Martina Peter mit genetischen Methoden herausgefunden. Und die Bäume können einander über das «Wood Wide Web» sogar vor Schädlingen warnen: Wenn ein Baum von Blattläusen attackiert wird, stellen die Nachbarbäume Abwehrstoffe her, noch ehe sie selbst befallen sind.

 

Wenn du demnächst mal einen Pilz im Wald siehst, überlege doch mal, wie viele Bäume er mit seinem «Internet des Waldes» wohl verbindet. Es könnten zwei oder drei sein, aber auch zehn oder zwanzig. Das wissen auch die Forschenden noch nicht so genau – und deshalb forschen sie weiter.

 

An der WSL...

… untersuchen Forscherinnen und Forscher wie die Pilze auf lange Trockenheit reagieren. Können sie dem Baum weiterhin gut helfen? Gibt es dann weniger Pilzarten oder wachsen andere, die besser angepasst sind? Leben sie unterirdisch weiter, auch wenn sie weniger Fruchtkörper bilden, die aus dem Boden wachsen und die wir als «Pilze» kennen?

… wollen die Wissenschaftler herausfinden, wie sich Mykorrhizapilze und «ihre» Bäume finden und was für äussere Bedingungen die Lebensgemeinschaft beeinflussen.

 

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