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WSL-JuniorWaldWenn Bäume nicht fit sindSind die Eschen noch zu retten?

Sind die Eschen noch zu retten?

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Tausende Eschen sterben jedes Jahr in der Schweiz ab. Der Pilz, der sie befällt, breitet sich schnell aus, so dass die Baumart stark davon bedroht ist. Bald könnte ein zweiter Feind hinzukommen. WSL-Forscher untersuchen, wie man die Eschen retten kann.

 

Die Esche leidet vor allem unter einem Pilz, der Falsches Weisses Stängelbecherchen (lateinisch Hymenoscyphus fraxineus) heisst. Er kam zu Beginn der 1990er Jahre vermutlich mit kranken Eschenpflanzen von Asien nach Europa und erreichte 2008 die Schweiz. Für die in Asien heimischen Eschenarten ist er ein harmloser Blattpilz. Doch die Eschen in Europa können sich gegen diesen Pilz nicht ausreichend wehren und leiden unter der Infektion, die er verursacht, viele sterben sogar daran. Deshalb arbeiten Forschende in mehreren Ländern daran, diese Art zu retten.

 

Warum befällt der Pilz nicht alle Bäume?

Bis jetzt gibt es kein Mittel, das die Eschen vor diesem Pilz schützt. Forschende haben aber beobachtet, dass manche Eschen nur sehr wenige bis gar keine Krankheitszeichen aufweisen, obwohl sie nahe an stark erkrankten Nachbarbäumen stehen. Warum ist das so?

Zur Lösung dieses Rätsels hat der WSL-Wissenschafter Valentin Queloz und sein Team 2017 eine Umfrage bei den Forstdiensten gemacht. Sie suchten nach gesunden Eschen und konnten insgesamt 397 Stück ausfindig machen. Diese Bäume suchten die Forschenden 2018 auf, um sie genauer zu beobachten. An zehn ausgewählten Standorten haben sie von je einem gesunden und einem kranken Baum Triebe gesammelt.

 

Forschung mit veredelten Bäumen

Da diese Bäume erwachsen und im Wald verwurzelt sind, lassen sie sich zur Untersuchung nicht ins Labor transportieren. Die Forschenden haben deshalb die ausgewählten Eschen mit einer besonderen Technik vervielfältigt, die als Pfropfung oder Veredelung bezeichnet wird. Das bedeutet, sie haben Bäume aus zwei Teilen zusammengesetzt. Die Wurzelteile bekamen sie von jungen Bäumen aus einer Baumschule und für die Stämmchen entnahmen sie Zweige von den ausgewählten Eschen im Wald. So entstehen viele kleine junge Eschenbäume, die alle exakt die gleichen Erbanlagen haben. Biologen nennen solche identischen Pflanzen auch Klone. Diese eignen sehr gut für Experimente im Labor.

In der Fotoreihe siehst du die einzelnen Schritte dieser Pfropfung.

 
 

Woran erkennst Du die kranken Bäume?

Der Wind transportiert winzige Pilzzellen (sogenannte Sporen) zu den Eschenbäumen, auf dessen Blättern sie dann liegen bleiben und keimen. Dort entstehen zuerst braune Flecken, dann beginnen die Blätter zu welken. Die Pilzfäden, die als Hyphen bezeichnet werden, dringen in die Zweige und Äste ein und beschädigen dabei deren Rinde. In der Folge sterben die jungen Triebe ab, weil sie austrocknen. Dies ist besonders an jungen Eschen sehr gut zu erkennen.

 
 

Eine weitere Gefahr lauert

Eine weitere Bedrohung für die Esche ist der Eschenprachtkäfer (lateinisch Agrilus planipennis). In seiner Heimat Asien richtet der grün schimmernde Käfer kaum Schaden an, weil die Eschen dort gegen ihn widerstandsfähig sind.

In Nordamerika und Russland haben diese Insekten grossflächig Eschen zum Absterben gebracht. Die Larven schlüpfen aus ihren Eiern und hinterlassen beim Fressen auffällig gewundene Gänge. Damit unterbrechen sie die Wasserversorgung der Baumkrone, so dass der ganze Baum vertrocknet.

Die Schweizer Forscher befürchten, dass Käfer oder Larven recht schnell über Holzverpackungen, die nicht mit einem Schutzmittel gegen den Käfer behandelt wurden, in die Schweizer Wälder gelangen und in 10 bis 20 Jahren auch hier grosse Schäden anrichten könnten. Zudem breitet sich der Käfer, der 2003 in Moskau eingeschleppt wurde, langsam in Richtung Mittel- und Südeuropa aus. Er kommt heute bereits in der östlichen Ukraine vor. Von dort aus dürfte er sich weiter nach Westen ausbreiten. Es ist also nur eine Frage der Zeit, wann er die Schweiz erreicht, wenn nicht jedes Land versucht, seine Verbreitung zu verhindern.

 
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Die gefrässigen Larven des Asiatischen Eschenprachtkäfers hinterlassen etwa 5 mm breite , mit ihrem Kot verstopfte Gänge im Holz, so genannte Galerien. Foto: Martin Gossner/WSL
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Während der Übergangszeit zwischen Larven- und Puppenstadium, in dem sie überwintern, fressen und bewegen sich die Insekten nicht. Foto: Martin Gossner, WSL
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Der Asiatische Eschenprachtkäfer schimmert grün-metallisch und wird etwa 13 mm lang. Foto: J. Connell, BFW
 

Die WSL-Forscher Martin Gossner und Valentin Queloz untersuchen, ob und wie anfällig europäische Eschenarten für die asiatischen Käfer sind. Sie werden Gruppen junger Eschen dem Käfer aussetzen und miteinander vergleichen: asiatische und europäische Klone, gesunde Bäume ohne Pilzbefall und vom Eschentriebsterben betroffene Bäumchen.

Für Experimente mit besonders gefährlichen Schädlingen gibt es an der WSL das Pflanzenschutzlabor. Darin befinden sich abgeschottete Arbeitsräume, aus denen die Schädlinge nicht nach aussen gelangen können. In diesem Labor werden die Forscher die Eschenprachtkäfer und die Bäume zusammenbringen und studieren, wie sie aufeinander wirken. Die Forschenden möchten Eschen finden, die eine hohe Toleranz gegenüber beiden Schadorganismen aufweisen. Förster können diese Eschen fördern, in dem sie Eschen, die noch gesund sind, nicht fällen und darauf achten, dass nachwachsende junge Eschen genug Licht zum Wachsen bekommen.

 

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