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Woher kommen unsere "heissen Marroni"?

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In der kalten Jahreszeit haben Marroni Hochsaison bei uns. Sie versüssen uns als duftende, heisse Früchte manchen grauen Herbsttag. Hast du dich schon einmal gefragt, woher die Marroni kommen und wie die stacheligen Früchte geerntet werden?

 

Kastanie ist nicht gleich Kastanie: Marroni sind die Früchte der Edelkastanie und mit der Rosskastanie nicht verwandt. Die beiden Baumarten haben ihren Namen durch die Ähnlichkeit der igelförmigen Früchte bekommen. Die Schalen der Edelkastanie haben feine, scharfspitzige Stacheln und im Inneren befinden sich meist drei braune Früchte.  

Rosskastanien erkennst du an ihren dicken, weichen Stacheln aussen und einer Frucht innen. Auch an den Blättern kannst du die beiden Baumarten unterscheiden: Die Edelkastanie hat einfache längliche Blätter und die Rosskastanie trägt handförmig zusammengesetzte Blätter. Rosskastanien sind nicht essbar.

 

Die Edelkastanie, der Marroni-Baum wächst in der Schweiz nicht nur auf der Alpensüdseite. Auch auf der Nordseite gibt es schöne, wenn auch nicht sehr ausgedehnte Edelkastanienwälder und Kastanienhaine.

 

Spezielle Wälder für Kastanienbäume

Seit Jahrhunderten werden Kastanienbäume in Selven kultiviert: So nennt man die speziellen Wälder, in denen die Kastanienbäume weniger dicht beieinander stehen und von Wiesen und Weiden umgeben sind. Hier bekommen sie das nötige Licht zum Wachsen. Selven müssen regelmässig gepflegt werden. Wenn das Gras nicht kurz gehalten und die Bäume nicht zurück geschnitten werden, entwickeln sich Selven zu dichten Wäldern.

 

Ein Blick in die Vergangenheit

Bis zum 19. Jahrhundert waren die Kastanienfrüchte als Nahrungsmittel und das Holz für die Menschen im Tessin sehr wichtig. Wie im Rest der Schweiz wurde dann die Landwirtschaft modernisiert. Maschinen, wie zum Beispiel Traktoren ersetzten die schwere Handarbeit der Menschen. Sie machten aber auch Bauern arbeitslos. In der Folge zogen viele von ihnen in Städte oder nach Nordamerika, um dort Geld zu verdienen.

Ausserdem wurden Kartoffeln und Getreide bei der Bevölkerung immer beliebter, auch im Tessin. Baumkrankheiten und -schädlinge schwächten die ungepflegten Kastanienbäume und die Ernten fielen geringer aus. In der Zeit von 1930 bis 2010 ist die Anzahl landwirtschaftlich gepflegter Selven um über 90 Prozent zurückgegangen.

 

Wichtige Bäume für die Biodiversität

Die sehr alten und grossen Kastanienbäume leisten einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität. Sie stellen bedeutende Lebensräume für eine Vielzahl von Algen, Moosen, Flechten sowie Insekten-, Vogel- und Fledermausarten dar.

Aufwändige Ernte

Heute sind die Früchte und ihre Produkte, zum Beispiel Kastanienmehl, wieder mehr gefragt. Deshalb werden in den Kantonen Tessin und Graubünden die Baumpflege und die Ernte seit einigen Jahren gefördert.

Oftmals produzieren jedoch die Bäume nur kleine Früchte. Ihre Ernte ist aufwändig, da sie vom Boden aufgesammelt werden müssen, nachdem sie von den Bäumen abgefallen sind. Das ist teure Handarbeit. Ausserdem ist die Nachfrage bei den Käufern grösser als die Marroniproduktion.

Aus diesen Gründen werden Esskastanien in die Schweiz importiert. Ein Grossteil der Marroni, die hier verarbeitet und gegessen werden, stammen neben Italien hauptsächlich aus Portugal, Spanien und Frankreich.

 

An der WSL in Cadenazzo (Tessin)...

... unterstützen Forschende den Forstdienst dabei, Pläne zu erstellen, wann sie welche Arbeiten in den Selven durchführen müssen, damit diese wieder in den Originalzustand kommen. Die Forschenden haben auch die verschiedenen Kastaniensorten untersucht und beschrieben, wie man die Früchte am besten ernten und konservieren kann.

 

Ausflugstipps zum Thema Edelkastanien

 
  • In Fully (Unterwallis) gibt es einen Kastanienlehrpfad, der oberhalb des Dorfes durch einen schön gepflegten Kastanienhain führt.
  • Am Vierwaldstättersee führt der Rigi-Chesteneweg von Immensee nach Ingenbohl. In allen drei Gebieten stehen Tafeln, die über die Edelkastanie und deren Kultur informieren.
 

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