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Wie viele Ameisenhaufen gibt es in der Schweiz?

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An der WSL haben wir das erste Mal eine Volkszählung für die Haufen der Waldameisen gemacht. Diese fleissigen Insekten sind nämlich ein wichtiges Glied in der Nahrungskette im Wald. Nicht zuletzt gibt es dank ihnen auch mehr leckeren Waldhonig! 

 

Bestimmt hast du auch schon an einem warmen Tag einen Ameisenhaufen beobachtet. Wie das kribbelt und krabbelt! Und spannend ist es auch, denn im Innern des Bauwerks legt eine einzige bis zu einigen Hundert Ameisenköniginnen ein Ei nach dem anderen, während alle Arbeiterinnen in strenger Arbeitstrennung die Brut pflegen, den Bau verteidigen oder Nahrung holen. Eine Million Ameisen kann in einem Nest leben, dass entspricht der Einwohnerzahl der Stadt Zürich samt den umliegenden Vorstädten.

Förster und Insektenspezialistinnen hatten den Eindruck, dass es heute weniger Ameisenhaufen gibt als früher, als sie noch Kinder und Jugendliche waren. Das wäre für den Wald ein Problem, denn die fleissigen Waldameisen helfen den Bäumen und anderen Pflanzen, indem sie den Boden lockern und Samen verbreiten. Sie fressen schädliche Insekten wie Raupen und sind selbst Nahrung für Vögel. Und sie halten sich Blattläuse – so wie Menschen Milchkühe – für den süssen Saft, den diese ausscheiden, den Honigtau. Auch Bienen sammeln gerne Honigtau und machen daraus feinen Waldhonig für eure Frühstücksbrötchen.

 

Volkszählung der Ameisenhaufen

Also beschlossen WSL-Forscherinnen und Forscher, Ameisenhaufen zu zählen. Sie möchten dies in 20 oder 30 Jahren wiederholen und dann wissen wir, ob es mehr oder weniger Nester geworden sind. Natürlich konnten sie nicht alle Ameisenhaufen aufsuchen. Aber zum Glück haben sie an der WSL Kolleginnen und Kollegen, die alle paar Jahre den Schweizer Wald vermessen: An 6500 Stellen im ganzen Land zählen diese die Bäume und messen ihre Grösse, Dicke und viele andere Dinge. Das nennt man Landesforstinventar (siehe auch: Wie viele Bäume gibt es in der Schweiz). Vom Jahr 2009 bis 2017 haben sie dabei auch die Ameisenhaufen gezählt.

Dabei fanden sie auf den Testflächen 371 Ameisennester, das sind im Durchschnitt zwischen ein und zwei Nestern pro Hektare (100 mal 100 Meter) Wald. Das macht ganz grob geschätzt eine Million Ameisennester in der ganzen Schweiz – viele in den Bergen und wenige im Mittelland. Die Waldvermesserinnen haben auch geschaut, wo die Ameisen am liebsten wohnen. Das sind immer Orte in hellen Wäldern, wo es Morgensonne und viele Nadelbäume gibt. Am meisten Haufen gibt es in den Bergen auf über 900 Metern, wo viele eben auch viele Nadelbäume wachsen. Ihre Beobachtungen haben Sie in einem Merkblatt beschrieben.

Die Gruppe der Roten Waldameisen, die Ameisenhaufen bauen, steht in der ganzen Schweiz seit 1966 unter Schutz und damit auch ihre Nester. Die Waldameisen waren damit die erste geschützte Insektenart der Schweiz. Es ist verboten, Ameisenhaufen zu beschädigen. Beobachte sie also ganz vorsichtig!

 

An der WSL…

… zählen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch weiterhin die Ameisenhaufen auf den Testflächen, und zwar im aktuellen fünften Schweizer Landesforstinventar, das von 2018 bis 2026 läuft.

… haben Biologen auch überprüft, ob die Zahl der Ameisenhaufen an einem bestimmten Ort mit menschlichen Bauten oder Aktivitäten in der Nähe zusammenhängt. Das können Feuerstellen, Strassen oder Vita-Parcours sein. Sie konnten aber keinen solchen Zusammenhang finden. Vermutlich ist es den Ameisen wichtiger, was für ein Wald es ist (Nadelwald) und wo er liegt (in den Bergen), und sie lassen sich ansonsten von Menschen nicht so stark stören.

  

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