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Was sind Trockenwiesen und -weiden und warum sind sie bedroht?

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07.12.2020  |  Nancy Bolze

 

Im Boden unter Trockenwiesen und -weiden gibt es nur wenig Wasser und Nährstoffe.  Dieser Mangel ist aber der Grund für ihren grossen Artenreichtum. Es sind bedrohte Lebensräume, auf die viele seltene Pflanzen-, Tier- und Pilzarten angewiesen sind. Die wenigen, noch vorhandenen Flächen sind nun geschützt – aber nicht überall gleich wirkungsvoll.

 

Trockenwiesen und -weiden heissen so, weil der Boden darunter flach und steinig ist. Deshalb kommen nur wenig Wasser und Nährstoffe darin vor. Doch genau das führt zu einer grossen Artenvielfalt. Eine Weide ist eine Fläche, auf der Tiere das Gras fressen. Auf einer Wiese wird das Gras gemäht und als Wintervorrat zu Heu getrocknet oder Silage verarbeitet. Trockenwiesen und -weiden sind also vom Menschen geschaffene, aber schonend genutzte Grasländer.
Oft werden Wiesen und Weiden mit Gülle oder künstlich hergestelltem Dünger behandelt, damit mehr Gras wächst. Davon profitieren meist nur wenige, schnell wachsende Pflanzenarten. Diese überwuchern und verdrängen dann kleinere und langsam wachsende Arten. Dadurch entsteht eine grüne Einöde aus Gräsern. Ungedüngte Grasländer sind reich an bunten Blumen und Kräutern.

 

Eine Vielzahl der Pflanzenarten in der Schweiz wachsen auf Trockenwiesen und -weiden, darunter sehr viele bedrohte Arten. Auf und von diesen Pflanzen leben zahlreiche Tiere. Das bunte, duftende Blütenmeer ist ein Paradies für Insekten, wie Schmetterlinge und Wildbienen. Auch zahlreiche Pilzarten sind darin zu finden. All das macht Trockenwiesen und -weiden zu wertvollen Lebensräumen (in der Fachsprache: Biotope).

 

Doch sie sind bedroht: In den vergangenen 100 Jahren sind in der Schweiz rund 95 % der wertvollen Trockenwiesen und -weiden verloren gegangen. Um mehr Heu oder Gras für das Vieh ernten zu können, wurden viele dieser Wiesen und Weiden gedüngt und dadurch geschädigt. Andere wurden zu Äckern umgewandelt oder bebaut. Der Bund hat deshalb einen Grossteil dieser selten gewordenen Grasländer unter Schutz gestellt.

Damit das bunte Treiben auf den verbliebenen, geschützten Trockenwiesen und -weiden erhalten bleibt, dürfen Bauern diese nicht düngen oder bewässern und nur eine geringe Anzahl Tiere pro Hektar weiden lassen. Man nennt diese Form der Landwirtschaft «extensiv».

 

Funktioniert der Schutz der Trockenwiesen und -weiden?

Die WSL hat die Aufgabe, nachzuprüfen, ob der Schutz funktioniert und wie sich die Wiesen und Weiden entwickeln (das Projekt heisst Wirkungskontrolle Biotopschutz Schweiz). Dafür vergleichen Forschende alte und neue Fotos der Trockenwiesen und -weiden, die alle sechs Jahre von oben aus der Luft von Swisstopo gemacht werden, um Veränderungen zu erkennen. Ausserdem wird die Vielfalt der Pflanzen am Boden untersucht und die Ergebnisse mit denen aus früheren Kontrollen verglichen. So wissen sie, ob und wie sich die Anzahl der verschiedenen Pflanzenarten verändert hat und können die Gründe für diese Veränderungen ermitteln.

 

Wo und warum verschlechtert sich der Zustand?

Beim Vergleich der alten mit neu erhobenen Daten stellten die Forschenden fest, dass auf höher gelegenen Trockenwiesen und -weiden (800 bis 1800 m Höhe) heute andere Pflanzenarten wachsen als früher und verschiedene, an diese Standorte angepasste Pflanzenarten verschwunden waren. Dafür gibt es zwei mögliche Gründe.

Die Grasernte ist auf Wiesen an steilen Berghängen sehr aufwändig, weil man keine grossen Maschinen benützen kann. Ausserdem liefert das Grasland ohne Düngung weniger Ertrag. Deshalb lohnt es sich für die Bauern oft nicht, die geschützten Trockenwiesen und -weiden weiter zu bewirtschaften. Wo nicht mehr gemäht wird oder keine Tiere mehr weiden, überwachsen Büsche das Grasland und lassen kleineren Trockenwiesenpflanzen keinen Platz und kein Licht mehr übrig.

Eine andere Erklärung ist, dass Nährstoffe von gedüngten landwirtschaftlichen Flächen mit dem Wasser oder über die Luft zu den Trockenwiesen und -weiden transportiert werden. Das fördert andere Pflanzen, die die erhöhten Nährstoffmengen für ein schnelles Wachstum nutzen können. Auch diese können Trockenwiesenpflanzen verdrängen.

Die Forschenden empfehlen deshalb, Bauern besser zu unterstützen, damit sie die aufwändige Bewirtschaftung von Hand auf den kostbaren Trockenwiesen und -weiden fortsetzen können. Ausserdem wenden sie moderne Kontrollmethoden wie Luftbildvergleiche an, damit sie Veränderungen schneller erkennen können. Die Kantone können dadurch früh genug informiert werden und etwas gegen die Verschlechterung des Zustands unternehmen. Bäume und Sträucher können früher gerodet und die Bewirtschaftung fortgesetzt werden, im besten Fall noch bevor spezialisierte Arten verschwinden.

 

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